Montag, 11. Juni 2012

Fronleichnam

Zum Fronleichnamsfest habe ich dieses Jahr die katholischen Bundesländer verlassen und war in Hamburg, wo dies bekanntlich kein staatlicher Feiertag ist. Dennoch gab es am Abend in der dortigen Kathedralkirche um 19:00 Uhr ein Pontifikalamt mit dem Alt-Erzbischof und anschließend sogar eine Prozession. Hier einige Eindrücke eines sehr für mich intensiven Fronleichnamsfestes.

Ich bin viel zu früh da und entscheide mich, in einer Kaffeebar noch etwas zu trinken. Kurz darauf fällt mir ein Priester mit römischem Kragen auf, der gerade seine leere Tasse zurück an die Bar bringt. Die Bedienung spricht ihn an und sie unterhalten sich über die katholische Kirche in der Großen Freiheit. Beim Rausgehen wird er schon wieder angesprochen. Mit Krawatte wären diese Kontakte wohl nicht ztustande gekommen...

Die Kathedrale ist zugegeben ein paar Nummern kleiner als der Kölner Dom, aber sie ist voll - nicht wenige stehen, nicht wenigen sieht man an, dass sie direkt von der Arbeit hergekommen sind. Der Gottesdienst ist insgesamt fünfsprachig: Deutsch, Koreanisch, Protugiesisch, Kroatisch und - alle verbindend - Latein. Eine ergreifende Mischung aus Missa de Angelis und koreanischen Antwortgesängen. Von der Lesung habe ich kein Wort verstanden, da ich weder kroatisch noch koreanisch spreche, aber es störte nicht weiter. On top dann noch eine gute, kurze, knackige Predigt vom Alt-Erzbischof. Selbst wenn es anschließend keine Prozession gegeben hätte, wäre ich schon sehr beseelt nach Hause gegangen.

Wer die Kathedrale St. Marien in Hamburg kennt, weiß, dass sie mitten im Stadteil St. Georg liegt. Der ist eine Mischung aus Subkultur, diversen Szenes, In-Lokalen und vielen Problemen (Drogen, Alkohol, Arbeitslosigkeit...) Mittendurch zieht die Prozession zur besten Sendezeit (ab 20:30). Gefühlt auf 20.000 Handy-Fotos und Videos abgelichtet, teils interssiert, teils ungläubig bestaunt, nicht selten belächelt. Aber (soweit ich es mitbekommen habe) nicht angepöbelt. Nie zuvor hatte ich auf eine Prozession ernsthaft das Gefühl, auf einer Bekenntnisveranstaltung zu sein. Diesmal war es so.

Es war auch seit langem eine Prozession, wo es Gelegenheit und auch die offene Aufforderung zur Anbetung gab. Die erste Statio wurde in kroatisch gehalten und alle anderen mögen doch bitte still beten. An der zweiten Statio an der evangelischen Kirche betete ein evangelischer Pastor aus Afrika für uns Katholiken, die wir heute Fronleichnam feiern - geht also doch, das mit der Ökumene. Dann meinte er noch, das Ganze habe auch etwas von Pfingsten, so viele Sprachen und Nationen seien zusammengekommen. Das wurde auf dem letzten Teil der Prozession noch mal deutlich, als jede Nation das Vater Unser in ihrer Sprache betete, es waren etwa 20.

Zum guten Schluss dann natürlich der weltliche Teil im Gemeinde-Saal mit Bier und Würstchen und vielen Anekdoten und Eindrücken. Ein typisch Hamburger Eindruck war auch die Ansage vor der Prozession, dass man eventuellen Regen doch bitte als Segen von oben betrachten möge - auch da kenne ich nicht wenige Gemeinden, die bei unklarer Wetterlage lieber nur einmal durch die Kirche ziehen. Was bleibt ist die Aussage eines dortigen Pfarrgemeinderates, der sagte: "Ich bin überzeugt, wir tragen da eine Botschaft hinaus!"


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jetzt ganz kurz anonym zum Froneichnam in Hamburg.......


....hier: http://www.occidens.de/chronica/liturg.htm#fronl_hh

Grüße Thomas (dil. in int.)

Ludolph hat gesagt…

Danke für den Link-Tipp. Das trifft das Ganze auch sehr gut. Kommunion wurde diesmal übrigens nur von den geistlichen Herren ausgeteilt und auch die Lautsprecher sind waren diesmal in Ordnung. Lieder gab's eigentlich auch genug, nur die Melodie von "Deinem Heiland Deinem Lehrer" finde ich unterirdisch...